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Interessante und passende Ergänzungen von Ihrer Seite sind uns willkommen. Diese werden auch gerne ins Wörterbuch aufgenommen. Bei Ihren Einsendungen vergessen Sie nicht uns die regionale Herkunft und eine Erklärung des Ausdruckes zu übermitteln. Zudem veröffentlichen wir mit dem Beitrag gerne Namen und Wohnort des Autors.
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Fechta (der)  / 
Fechta (der)
Bettler; Fechter war der landläufige Ausdruck für einen Bettler, der aus sozialem Notstand gezwungen war, bei anderen Leuten um eine „milde Gabe“ zu bitten. Da standen sie oft in Fetzen gehüllt, bärtig und abgemagert vor der Haustür eines Bauernhofs. Ungeduldig trommelten sie mit Händen und Füßen an die Tür und der Hofhund bellte fürchterlich im Inneren des Hauses, wenn die Hausleute nicht anwesend waren. Ein Stück Brot oder gar ein paar Löffel Suppe, mehr wollten sie ja nicht. Manch einer hatte irgendein Musikinstrument und fiedelte oder spielte auf einer Ziehharmonika, um seine Bettelei einen musikalischen Rahmen zu geben. Bei einer Kapelle standen sie oft herum und beteten zum lieben Gott, daß er sie heute wieder satt werden ließe. Einer ist mir bis heute noch sehr lebhaft in Erinnerung, er dürfte aus Neumarkt gestammt haben. Er trug sein Schicksal mit Humor, ein sogenannter „Halblustiger“, wie man zu sagen pflegte. Es war ein hochgewachsener junger Mann. Seine ganze Bekleidung bestand aus dem Fragment einer Hose, zerlumpt, mit ungleich langen Hosenbeinen und mit einer Schnur um die Mitte zusammengbunden, ohne Hemd und Schuhwerk. Eines aber konnte er meisterhaft, nämlich den Deutschmeistermarsch singen, wobei er als Baßbegleitung die rechte hohle Hand unter die linke Achsel klemmte und mit Pumpbewegungen des linken Armes einen baßähnlichen Ton erzeugte. Eine legendäre Figur aus dieser Zeit war auch der „Nadelhöfer“. Er kam aus der Gemeinde Lasberg und fehlte nie, wenn in „Galli“ einmal Kirtag war. Meistens saß er an der Ecke beim Friseur Fischer und trug dort seinen langen mit tausenden Abzeichen behangenen Mantel zur Schau. Auch hatte er eine sehr lange Pfeife, die bis zur Erde reichte. Er trug einen langen Vollbart, und selbst seine Kopfbedeckung war voller Abzeichen und alten Broschen. Manch einer steckte ihm ein Zweigroschenstück in die Tasche, aber am liebsten war ihm halt doch ein Abzeichen. Die „Binkerl Miaz“ (Maria Wirt) kannte auch jeder in der Umgebung: Eine harmlose Närrin aus dem Armenhaus. Sie trug ihre Habseligkeiten in Bündeln mit sich. Eines Tages wurde sie auch Mutter eines Buben. Mutterfreuden durfte sie nicht erleben, das Kind wurde ihr abgenommen und anderen Leuten zum „Aufziehen“ übergeben. Sie selber endete 1942 in der Gaskammer. Klopfte ein Bettler an die Tür, so lautete der übliche Spruch: „A Ausgsteuerter dad bittn um a wenig was!“ Das hieß mit anderen Worten, daß er keine Arbeitslosenunterstützung mehr bekam und zum Betteln verurteilt war. Dabei durfte er sich nicht von den Gendarmen erwischen lassen. Landstreicherei wurde nämlich mit Gefängnis bestraft. Man nannte es „Vagabundage“. So mancher armer Schlucker mußte wohl oder übel in die Gefängniszelle wandern und dort seine gesammelten Brotkrusten verzehren, die er mühselig erbettelt hatte. Im Winter hielt der Tod reiche Ernte unter den Bettlern, falls es ihnen nicht gelungen war, ein bescheidenes Winterquartier zu ergattern. In einem Kuhstall schlafen zu können war für manchen schon ein Heiligtum. Ein Bett kannten sie nur vom Hörensagen. In einer Sterbematrik ist heute noch zu lesen: „Ein Bedler tod aufgefunden im Holz und – namenlos – begraben“.

Quelle: Otto Milfait, Elvira Landgraf: "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch" (S. 106 - 107)
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Fedanschleißln (das)  / 
Fedanschleißln (das)
Geflügelfedern wurden bei festlichen Zusammenkünften geschlissen. Es kam einer „Roggaroas“ gleich. Anschließend wurde gut gegessen und bei späterem Eintreffen der Burschen wurde auch noch das Tanzbein geschwungen.

Quelle: Otto Milfait, Elvira Landgraf: "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch" (S. 107)
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Fei  / 
Fei
Feuer

Quelle: Otto Milfait "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch". Band 2 (S. 100)
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Feichtabunkö (der)  / 
Feichtabunkö (der)
Feiertagskuchen

Quelle: Otto Milfait, Elvira Landgraf: "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch" (S. 108)
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Feichtagwandt (das)  / 
Feichtagwandt (das)
Feiertagsgewand

Quelle: Otto Milfait, Elvira Landgraf: "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch" (S. 108)
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Feichtatracht (die)  / 
Feichtatracht (die)
Feiertagstracht. Das war die beste und schönste Kleidung für besondere Feiertage. Kurze Röcke, aus Schafwolle oder Kattun, vorgeschnittene Kopftüchl, Fingerfäustlinge und blauwollene Strümpfe bei Frauen war um 1930 üblich.

Quelle: Otto Milfait, Elvira Landgraf: "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch" (S. 108)
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Felban  / 
Felban
Weidenruten; man verwendete sie zum Befestigen des Strohdaches und zum Korbflechten, besonders für „Bå(h)karln“ (Backschüsseln aus Stroh); „Felbani Rindn laß di schindn ...“ wurde beim Pfeiferlmachen aus Weiden gesungen.

Quelle: Otto Milfait, Elvira Landgraf: "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch" (S. 110)
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Feubeer (die)  / 
Feubeer (die)
Feuerbeere, Vogelbeere vom Vogelbeerbaum, spr. Eberesche

Quelle: Otto Milfait "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch". Band 2 (S. 102)
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Fiachdai  / 
Fiachdai
Angsthase

Quelle: © Edda Seidl-Reiter "Das Mühlviertel in seiner Sprache - Juiwegga Dudn". (S. 190)
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Fischmandl (das)  / 
Fischmandl (das)
kleine Kinderfigur aus Stein mit Fischleib am Dachsims der Kirche St. Peter b. Freistadt. Sage: Eine Gräfin habe einst ein Kind mit Fischleib geboren und einen Eid abgelegt, eine Kirche zu bauen, wenn das Kind gesund werde.

Quelle: Otto Milfait, Elvira Landgraf: "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch" (S. 112)
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Fleck (der)  / 
Fleck (der)
1. Fleck, Flecken; Marktflecken 1.Kudfleck-Rindermägen, die zu sehr schmackhaften G´Schnoatlsuppen verarbeitet wurden

Quelle: Otto Milfait, Elvira Landgraf: "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch" (S. 113)
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Fleck, Flöck (die Mz.)  / 
Fleck, Flöck (die Mz.)
Rindermägen. „wenn ein Flesichhaker ein Ründt (Rind) schlägt, gibt er dem Marktrichter ein Pfund Flöck“ (HG. 1926 / 184)

Quelle: Otto Milfait, Elvira Landgraf: "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch" (S. 113)
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Flehleut (die)  / 
Flehleut (die)
Kleine Leute. Damit war aber nicht die Körpergröße, sondern der niedere Stand gemeint, die Inwohner wurden als „Flehleut“ bezeichnet (Flehleut=Flöhleute). Der heute ausgestorbene Menschenfloh war vor 50 Jahren noch in jedem Haus anzutreffen. Er quälte die Leute besonders in der Nacht in den Strohbetten, wo er seine Niststätte hatte.

Quelle: Otto Milfait, Elvira Landgraf: "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch" (S. 113)
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Flinsinger (die)  / 
Flinsinger (die)
waren ein kurioses Völklein aus dem OM. Die Art, wie sie ihre Arbeiten ausführten, glich den sogenannten Hirschauerstückln. Sie luden ihren Wagen mit Korngarben so voll, daß sie letzlich den Wagen nicht mehr von der Stelle brachten. Immer legten sie noch eine Garbe darauf und meinten: Oani geht nu, bis ein Wanderer ihnen den Rat gab, doch die Hälfte abzuladen, mit den Worten: Gring auf, gring å(b).- Und so fuhren sie fortan mit halber Ladung nach Hause.

Quelle: Otto Milfait "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch". Band 2 (S. 105)
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Foamnudl (die)  / 
Foamnudl (die)
Schaumrolle

Quelle: Otto Milfait, Elvira Landgraf: "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch" (S. 115)
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Foizetln (die Mzl.)  / 
Foizetln (die Mzl.)
Feuerzelten, am Feuer gebackene Mehlfladen OM

Quelle: Otto Milfait "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch". Band 2 (S. 106)
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Freida  / 
Freida
Freitag ... wer am Freida lacht und am Samsta singt, der read (weint) am Sunda ganz bestimmt.

Quelle: Otto Milfait "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch". Band 2 (S. 107)
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Freyung oder Freitn (die)  / 
Freyung oder Freitn (die)
1. Eiserne Hand, die ein Schwert trug und das priviligierte Marktrecht verkörperte. Sie wurde zu Beginn eines Marktes aufgestellt und nach Beendigung desselben wieder abgenommen (HB Weitersfelden S.32) 4. Ort, an dem Freiheit vor Verfolgung gewährt wird, meist das Gebiet innerhalb der Mauern des Hauses geführtes Asylrecht. – Frei in diesem Sinne waren auch der Friedhof (Freydhof genannt) , die Kirche, das Wohnhaus innerhalb der "Dachtrauf", der Weg zur Kirche und zur Mühle, der Pflug auf dem Felde während der Ackerbestellung. (Teilweise entnommen aus dem Weitersfeldener HB und den MV Hbl)

Quelle: Otto Milfait, Elvira Landgraf: "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch" (S. 118)
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Froaske(d)n (die)  / 
Froaske(d)n (die)
Fraiskette. Dieses Sympathiemittel wurde bei Kleinkindern angewendet, wenn sie die Frais – (Herzkrampf) hatten. Ein an der Kette angebrachter Ring wurde in den Mund geschoben, um das Kind vor dem Ersticken zu bewahren. An der Kette selbst gibt es Glieder mit Haarbüschel vom Bock, Stockzähne, Sargnägel, Eicheln, Gehörknöchelchen vom Schwein, die sogenannten "Schröckboaln" oder Froasboal", kleine Knöchelchen verschiedener Art, Holzkugeln, Spiralen aus Draht und Münzen. Die Kette hat die Form eines Rosenkranzes, wobei das Kreuz aus Knochen vermutlich von schwarzen Hühnern hergestellt wurde und darauf ist der Korpus Christi angebracht. (Exemplar beim Verfasser).

Quelle: Otto Milfait, Elvira Landgraf: "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch" (S. 120)
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Fuchtelmandel (das)  / 
Fuchtelmandel (das)
Gespenst, das mit einem flackernden Licht nachts über Felder und Fluren schwebte. Die Fuchtlmandln wurden auch für den „Durischnitt“ verantwortlich gemacht (Perg-Heimatgaue Jhrg. 2 Heft 1 1948 S. 61) (Irrlichter am Heidenstein)

Quelle: Otto Milfait, Elvira Landgraf: "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch" (S. 122)
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Funse (die)  / 
Funse (die)
Funse (die) Einzahl, die Funsn, Mehrzahl
1. abwertende Bezeichnung für Frau,
2. schwaches Licht, das kaum leuchtet.

Der Pfarrer von Windhaag fuhr mit seinem schon älteren Auto nach Freistadt, mit ihm seine Haushälterin und die Leiterin der Ortsgruppe der katholischen Frauen. Unterwegs fällt Nebel ein und kurz vor der Stadteinfahrt hält ein Gendarm das Gefährt wegen seiner altersschwachen Scheinwerfer auf. „Herr Pfarrer“, meint der Gesetzeshüter sorgenvoll, „mit diesen zwei Funsn kann ich Sie nicht weiterfahren lassen.“ Die beiden mitfahrenden Damen sind sehr beleidigt ob der groben Worte und protestieren heftig.

Quelle: Elfriede Guttenbrunner
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Fäu(l)beerbam (der)  / 
Fäu(l)beerbam (der)
Faulbeerbaum, Eberesche

Quelle: Otto Milfait "Das Mühlviertel - Sprache, Brauch und Spruch". Band 2 (S. 99)
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