Einmal, so um 1947, ich ging damals in die siebte Klasse des Akademischen Gymnasiums in Linz, wurde bei uns in der Schule das Gerücht verbreitet, dass es im Hotel Zur goldenen Kanone auf der Landstraße markenfreies Essen, und zwar "Blunzengröstl", gebe.

Für uns war das eine Wundernachricht. In der großen Pause wanderten wir zwölf Schüler, mehr hat der Krieg nicht übrig gelassen, in die Goldene Kanone, um nachzuprüfen, ob man dort tatsächlich etwas ohne Marken zu essen kriegt. Das Gröstl bestand aus einem Häuferl Erdäpfeln und ein paar roten Fleckerln, das war die Blutwurst. Das Essen hat uns köstlich geschmeckt.
Dieses erste Essen, das wir ohne Marken erhielten, war für uns ein sichtbares Zeichen für den Neubeginn. Es leitete einen Stimmungsumschwung ein, es war für uns Jungen der erste Lichtstrahl, der uns zeigte, dass Oberösterreich Zukunft hat, denn damals waren wir verzweifelt, wir wussten alle nicht, wie es weitergehen solle.
Landeshauptmann a. D. Dr. Josef Ratzenböck
geb. 15. April 1929 in Neukirchen am Walde
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